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An den Galgen mit dem Gaul! Wie Tiere im Mittelalter vor Gericht standen

Foto: Coverausschnitt "Das Pferd des Teufels"

Im düsteren Mittelalter, das zum Glück schon einige hundert Jahre zurück liegt, glaubten die Leute nicht nur fest an den lieben Gott, sondern auch an seinen Widersacher, den gemeinen Teufel. Die Menschen waren der tiefen Überzeugung, dass sich der Teufel mit Menschen und Tieren verbündete, um durch sie Unheil zu verbreiten. Davon gab's in jener Zeit mehr als den Leuten lieb war: Pest und Cholera, Kriege und Hungersnöte rafften Millionen von Menschen dahin. Schuld daran war natürlich der Teufel, und mit ihm Hexen und Zauberer, seine Handlanger auf der Erde.
Ihr habt bestimmt schon von der Verfolgung sogenannter Hexen im Mittelalter gehört. In den meisten Fällen waren das Frauen mit besonderen Fähigkeiten. Sie beherrschten die Kunst der Naturheilkunde und konnten vielen Kranken helfen. Das passte den Kirchenoberen überhaupt nicht, denn die sahen in den Kräuterfrauen ernsthafte Konkurrenz. So wurden Tausende von Frauen der Hexerei angeklagt, wenn die Ernte misslang, ein Kind starb oder einfach die Kuh zu spät kalbte. Papst Innozenz VIII. erließ 1484 die berüchtigte „Hexenbulle“. Darin heißt es, dass "zahllose Personen beiderlei Geschlechts ... vom heiligen katholischen Glauben abfallen, Unzucht mit Teufeln treiben und mit ihren Zaubersprüchen ... die Menschen insgesamt verderben." Es wurden Inquisitoren beauftragt, die in speziellen Prozessen, der Inquisition, herausfinden mussten, ob man diese Menschen, es waren auch Männer darunter, tatsächlich der Hexerei überführen konnte. Zwei besonders fanatische Dominikanermönche beschrieben in ihrem Buch "Hexenhammer“, woran man eine Hexe erkenne und wie mit ihr zu verfahren sei. Viele Frauen - und auch Männer - wurden so auf grausame Weise umgebracht. Diese Hexenverfolgung wütete in ganz Europa und erst 200 Jahre später war der Spuk vorbei.
Aber nicht nur Menschen, auch Tiere standen im Verdacht mit dem Teufel im Bunde zu sein. Um dies zu verstehen, müsst Ihr wissen, das im Mittelalter Tieren ein Personenstatus zugeschrieben wurde. Das bedeutet, sie konnten wie Menschen angeklagt und verurteilt werden. Es gab einen Fall, in dem Mäuse verurteilt wurden, weil sie ein Feld kahlgefressen hatten. Man gab ihnen drei Tage Zeit, den Ort zu verlassen. Aber es wurden noch kleinere Missetäter vor das Kirchengericht berufen: Raupen wurden angeklagt, eine Ernte vernichtet zu haben. Das Urteil des Bischofs: Den Raupen wurde ein verlassenes Wäldchen zugewiesen mit der Auflage, dort zu bleiben und nie wieder benachbarte Landstriche heimzusuchen. Ob die sich wohl dran gehalten haben?

Astrid Frank greift dieses hochspannende Thema in ihrem neuen Buch Das Pferd des Teufels auf. Darin geht es um die 15-jährige Anna, die als Waise bei ihrer Großmutter lebt. Ihr Leben gerät aus den Fugen, als ihr geliebtes Pferd Christopherus den Marktmeister unabsichtlich verletzt und als vom Teufel besessen angeklagt und eingesperrt wird. Schließlich steht sogar Anna selbst unter Hexereiverdacht, weil sie Christopherus helfen möchte.

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