"Denn danach suchen wir letzten Endes nur, die Poesie ins Leben zu
verweben, im Leben selbst die Poesie zu finden."
(Michael Ende)
Michael Ende trat sein Leben lang gegen die Bedeutungslosigkeit an, für
eine bewohnbare Welt.
Für viele Kinder und Erwachsene gehören die Figuren aus Michael
Endes Büchern zu den engen Vertrauten ihre eigenen Traumreisen und
Wunschbilder.
In Sinne der Romantiker wollte Ende die Welt wieder mit Poesie aufladen,
die Phantasie der Menschen mobilisieren und auf eine geistige Wirklichkeit
verweisen, die hinter den Dingen liegt.
1929
geboren am 12. November in Garmisch - Partenkirchen
als Sohn des Kunstmalers Edgar Ende (1901-1965) und seiner Frau Luise Ende
geb. Batholomä (1892-1973).
1931
Umzug nach München - Pasing.
1935
erneuter Umzug nach München - Schwabing. Michael Ende wächst
in der Schwabinger Bohème unter Malern, Bildhauern und Literaten
auf.
1936
Eintritt in die Volksschule und unvermeidlicherweise ins Jungvolk.
Im gleichen Jahr wird der Vater Edgar Ende von der Reichskulturkammer unter
Berufsverbot gestellt. Edgar Ende war einer der ersten deutschen Surrealisten.
Seine Bilder gelten als "entartete Kunst". Er arbeitet trotzdem
heimlich weiter, kann aber keine Ausstellungen mehr beschicken. Auch seine
beginnenden Erfolge im Ausland werden unterbunden. Die Mutter Luise Ende
lernt Heilgymnastik und Massage und ernährt damit die Familie. Immer
wieder werden Freunde und Kollegen des Vaters, Juden und Nichtjuden, "abgeholt".
man hört von Konzentrationslagern. Michael Ende lernt, über nichts
von allem, was er zu Hause hört, außerhalb zu sprechen. Seine
schulischen Leistungen werden immer schlechter.
1940
versuchen die Eltern dennoch, ihn auf das humanistische Maximilians -
Gymnasium zu schicken. Mit Müh und Not schafft er die Aufnahmeprüfung,
muss aber gleich die Sexta wiederholen.
1941
wird der Vater eingezogen und bleibt bis Kriegsende Flak - Soldat im
Raum um Köln.
1943
werden wegen der zunehmenden Luftangriffe die Münchner Schulen
evakuiert. Michael Ende kommt mit der sogenannten "Kinderlandverschickung"
wieder nach Garmisch, seinem Geburtsort.
1943
beginnt er zu schreiben, hauptsächlich Gedichte und kleine Erzählungen.
1944
brennt das Atelier des Vaters in München mit etwa 500 Bildern
ab. Der Mutter wird in eine Wohnung am Stadtrand zugewiesen. Im letzten
Kriegsjahr werden die Vierzehn- und Fünfzehnjährigen aus der Kinderlandverschickung
zur Wehrmacht und manche auch zur Waffen-SS eingezogen und den amerikanischen
Panzern entgegen geschickt. Drei Klassenkameraden fallen gleich am ersten
Tag ihres Einsatzes.
Als Michael Ende seinen Stellungsbefehl bekommt, zerreißt er ihn und schlägt sich zu seiner Mutter nach München durch. Michael Ende bekommt Kontakt mit der "Freiheitsfraktion Bayern" und wird als "Kurier" angenommen. Diese Aktion hat verhindert, dass München "bis auf den letzten Mann" verteidigt wurde, wie die SS befohlen hatte.
1945
kurz nach Kriegsende, kommt der Vaters aus amerikanischer Gefangenschaft
zurück. Die Endes ziehen erneut um, wieder nach Schwabing. Der Vater
teilt sich dort ein Atelier mit dem Landschaftsmaler Richard Ferdinand Schmitz,
einem der wenigen Überlebenden aus dem Kreise um Stephan George, Gundolph
und Wolfskehl.
1946
nimmt das Maximilians - Gymnasium seine Lehrtätigkeit wieder auf,
aber nach einem Jahr bekommt Michael Ende durch eine finanzielle Patenschaft
von Bekannten die Möglichkeit, an die wiedereröffnete Freie Waldorfschule
in Stuttgart zu gehen.
Michael Endes Wunsch ist es, für das Theater zu schreiben. Ein Studium an der Universität ist aus finanziellen Gründen ausgeschlossen, deshalb entscheidet er sich für die praktische Laufbahn.
1948
besteht er die Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule Otto Falckenberg
der Münchner Kammerspiele.
1950
schließt er die Ausbildung ab und geht als Anfänger an
die Landesbühne Schleswig - Holstein in Rendsburg. Doch sein Ziel ist
das Schreiben.
So schreibt er neben der Schauspielerei für verschiedene politische
Kabaretts Sketche, Soli und Chansons. Nach einer Spielzeit kehrt er mit
einer inzwischen verfassten Komödie nach München zurück.
Aber niemand interessiert sich für das Stück.
1952-1954
arbeitet Ende als Filmkritiker für den Bayerischen Rundfunk.
1951 auf 1952
in der Silvesternacht lernt Michael Ende sein spätere
Frau, die Schauspielerin Ingeborg Hoffmann, kennen. Durch sie findet er
Kontakt zu verschiedenen politischen - literarischen Kabaretts, die gerade
ihre beste Zeit haben ("Die kleinen Fische", "Lach- und Schießgesellschaft").
Er schreibt Sketche, Chansons, Soli. Mehrmals führt er am Volkstheater
Regie. Doch die Honorare Reichen kaum, um für sich und die Mutter die
Wohnungsmiete zu zahlen. Die Eltern haben sich inzwischen getrennt. Die
finanzielle Lage wird immer schlimmer.
Gleichzeitig gerät Michael Ende in eine künstlerisch- literarische
Krise. Die vierjährige Auseinandersetzung mit den theoretischen Schriften
Brechts treibt ihn in eine Sackgasse, aus der er nicht mehr hinausfindet.
Er beschließt, das Schreiben aufzugeben. Aber er gibt sich noch eine
letzte Chance. Er will versuchen, etwas "ganz Anderes" zu machen,
etwas, das mit der gestrengen Doktrin des großen Meisters nichts zu
tun hat. Ein flüchtiger Bekannter, ein Grafiker, hat ihn um einen Bilderbuchtext
gebeten. Er erfüllt ihm diesen Wunsch.
Dabei überlässt er sich einfach der Lust am Fabulieren, ohne
Plan, ohne Absicht.
Nach über einem Jahr ist ein dickes Manuskript entstanden: "Jim
Knopf und Lukas der Lokomotivführer".
Das war 1958.
Die nächsten anderthalb Jahre geht das Manuskript auf eine Reise durch
über zehn Verlage, kommt aber jedesmal wieder zurück. Schließlich
landet es bei
Lotte Weitbrecht, der damaligen Leiterin des K. Thienemanns Verlag. Das
Manuskript wird aufgeteilt und so erscheinen
1960
"Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" und
1962
"Jim Knopf und die Wilde 13".
Sofort wird der erste Band mit dem Deutschen Jugenbuchpreis ausgezeichnet.
Funk und Fernsehen bringen Serien nach dem Buch. Die Verkaufszahlen steigen
so sprunghaft, dass der Verlag kaum mit Neuauflagen nachkommt. Beide Bände
werden in viele Sprachen übersetzt.
Durch den Erfolg finanziell unabhängig, widmet sich Michael Ende nun
ganz seiner Leidenschaft für das Schreiben von Theaterstücken.
1964
heiraten Michael Ende und Ingeborg Hoffmann in Rom auf dem Kapitol.
1965
stirbt Edgar Ende.
1966
kauft Michael Ende eine alte Vogtei südlich von München
am Mangfalltal. Das Ehepaar arbeitet nun vier Jahre lang in Tag- und Nachtschichten
am Ausbau des Hauses. Der Ausbau verschlingt fast das gesamte Vermögen.
1967
wird Endes Theaterstück "die Spielverderber" - eine
Tragikomödie - an den Frankfurter Städtischen Bühnen uraufgeführt.
Die Premiere gerät zum Fiasko. Kein anderes Theater hat das Stück
je wieder gespielt.
1969
erscheint, wieder bei Thienemann, das "Schnurpsenbuch",
eine Sammlung von Rätseln, Nonsensgedichten und Zaubersprüchen.
1970/-71
verkauft Ende die alte Vogtei und erwirbt dafür eine Villa
in Genzano, südlich von Rom.
Die in Deutschland herrschende Eskapismus- Debatte empfindet Ende als "richtiggehend
erstickend". Die phantastische Literatur wird als "Fluchtliteratur"
abqualifizeirt.
Michael Ende und Ingeborg Hoffmann ziehen nach Italien.
1972
entsteht dort der Roman "Momo", der 1973 bei Thienemann
erscheint.
1974
erhält das umstrittene Buch mit einer Stimme Mehrheit im Gremium
den Deutschen Jugendbuchpreis. Langsam setzt sich das Buch durch. Inzwischen
ist es in über 20 Sprachen übersetzt.
1973
stirbt Luise Ende.
1975
entsteht in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Mark Lothar das Libretto
zur Oper "Momo und die Zeitdiebe".
1978
wird sie in Coburg uraufgeführt.
1976
entsteht "Das Gaukler - Märchen", ein Zauberspiel für
Puppen- und Maskentheater.
1977
reist Michael Ende nach Japan und gewinnt entscheidende Eindrücke
vom Kabuki- und No-Theater.
Im selben Jahr beginnt er die Arbeit an der "Unendlichen Geschichte".
1979
erscheint das Buch nach beinahe dreijähriger Arbeit.
Michael Endes Weltruhm wird begründet.
1985
stirbt Ingeborg Ende-Hoffmann in Genzano an einer Lungenembolie.
Michael Ende kehrt nach München zurück.
1989
heiratet er die Japanerin Mariko Sato.
In diesem Jahr erscheint auch "Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch".
1994
veröffentlicht Ende den "Zettelkasten", der Skizzen
und Notizen aus Endes Archiv enthält. Zum Ersten Mal spricht er in
einem Buch von sich und seinem Leben.
1995
Am 28. August stirbt Michael Ende nach schwerer Krankheit in Stuttgart.